Abu Simbel

Der Kleine Tempel von Abu Simbel wurde der vergöttlichten Großen königlichen Gemahlin des Ramses, Nefertari, und der Göttin Hathor von Ibschek geweiht. Auch dieser Tempel ist in den Fels eingetieft. Die aus der Felswand geschlagenen Figuren zeigen je zweimal Nefertari, Hathor und Ramses, die alle ca. zehn Meter hoch und in gleicher Größe sind. Dies stellt eine besondere Auszeichnung für Nefertari dar, da die Ehefrauen der Könige meist kleiner dargestellt wurden (wie beim Großen Tempel von Abu Simbel).
Der Tempel führt 21 Meter tief in den gewachsenen Felsen. Hinter dem Eingang befindet sich eine Sechs-Pfeiler-Halle, eine Querhalle mit zwei Nebenräumen und das Heiligtum. Nefertari wird hier als Inkarnation der Göttin Hathor angesprochen, was mit den Darstellungen der Hatschepsut in ihrem Tempel in Deir-el-Bahari vergleichbar ist. Die Reliefs zeigen Krönungsszenen und den Schutz der Königin durch Göttinnen der Liebe und der Fruchtbarkeit.


Der Große Tempel des Ramses II. (1279 v. Chr.–1213 v. Chr.) ist den Reichsgöttern Amun-Re (Süden), Horus von Mehu, dem vergöttlichten Ramses und Ptah geweiht. Die Bergflanke dient als Pylon (Toranlagen). Die Angaben über die Maße der Tempelfassade variieren zwischen 30 und 35 Metern. Die vier gewaltigen Kolossalstatuen stellen Ramses II. dar und sind 22 Meter hoch. Die beiden nördlichen tragen die Aufschrift: „Ramses, der Geliebte des Amun“ und „Ramses, der Geliebte des Atum“, die südlichen Statuen „Ramses, Sonne der Herrscher“ und „Ramses, Herrscher der beiden Länder“. Der Sonnengott Re tritt frontal in der Mitte der Tempelfassade heraus, versehen mit den Attributen Sonnenscheibe (Re), Wsr-Zeichen in der Rechten und Maat-Figur in der Linken. Diese Symbole können als Thronname Ramses II. gelesen werden: „User-Maat-Re“, wodurch der König zu einer Inkarnation des Re, zur „Großen Seele des Re-Harachte“, wird.

Die kleinen Statuen zwischen den Kolossalstatuen stellen Familienmitglieder dar: seine Mutter Tuja, Königin Nefertari und einige gemeinsame Kinder.

Den oberen Abschluss der Tempelfassade bildet ein Fries aus Pavianen, den sogenannten Sonnenaffen oder heiligen Affen. Dieser Fries war es, der 1813 den Basler Jean Louis Burckhardt auf den sonst völlig versandeten Tempeleingang aufmerksam machte. Der Fries ist der erste Teil des Tempels der von der aufgehenden Sonne erleuchtet wird.

60 Meter in den Fels führt die Tempelanlage, zunächst in die große dreischiffige Halle mit zweimal vier Statuenpfeilern des Königs. Vier dieser Pfeiler zeigen Ramses mit der oberägyptischen, die anderen vier mit der unterägyptischen Krone. Die Pfeilerfiguren kann man aufgrund ihrer äußeren Gestalt wohl eher nicht als Osirispfeiler bezeichnen, da ihre Beschriftung dagegen spricht. Es handelt sich um königliche Statuen, die den Pharao in einer sehr komplexen Beziehung zu den drei Gottheiten Amun, Atum und Re-Harachte darstellen (nach Gundlach). Die Reliefs der Halle verherrlichen die kriegerischen Taten des Königs als Sieger über Syrer, Libyer und Nubier, vor allem aber wird hier eine Version über die Schlacht von Kadesch dargestellt.

Im hinteren Bereich der Großen Halle zweigen insgesamt sechs Seitenkammern ab, die wohl der Aufbewahrung von Vorräten dienten.

Auf der Tempelachse erreicht man dann die kleinere Vier-Pfeiler-Halle mit Opferszenen, eine Querhalle mit zwei Nebenräumen und das Sanktuar. In diesem sind Statuen der Götter Ptah, Amun und des Horus von Mehu sowie des vergöttlichten Ramses aufgestellt. Durch ein Erdbeben wurde der Tempel noch zu Lebzeiten des Königs beschädigt, wie zusätzlich eingefügte Stützmauern beweisen. Vielleicht ist damals eine der Kolossalstatuen abgestürzt.

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